tanzkünstlerisches Forschungsvorhaben 

 

 

AuthenticMovementMeetsPerformanceLanguagE

(ample; adj.:enough or more than enough, plentiful

  hinreichend, geräumig, üppig, füllig, überreichlich, drall )

 

 

In diesem, auf einem längeren Zeitpunkt angelegten Tanzprojekt, trifft die Disziplin der authentischen Bewegung (hier genannt: discipline of authentic movement) auf die, zur Performancesprache/-methodik ausgerichtete Tanzimprovisation. Beide Ansätze beinhalten die freie, spontane Gestaltung von Bewegung (und Gebrauch der Stimme) und den ureigenen, kreativen Ausdruck durch Bewegung.

Die Forschung wird darin bestehen, wie sich diese Ansätze- mit ihren unterschiedlichen Ausgangsanliegen- befruchten können, in welchem nutzbaren Zusammenhang sie sind bzw. gebracht werden können, um Tanzimprovisation als eine kraftvolle, für sich stehende Kunstform zu bestärken, weiterzuentwicklen und sie in neue, innovative Begegnungsformate zu bringen.

 

Was unterscheidet diese beiden Ansätze, was haben sie gemeinsam?

Einerseits:

Im Rahmen der Authentic Movement wird eine Bewegungserfahrung,-sequenz mit geschlossene Augen gemacht, die in einem geschützten Raum mit einem Bezeuger (nicht wertenden) stattfindet. Diese Bewegungserfahrung wird um ihrer „SelbstWillen“ kreiert, ist in einem engen Bezug zu spirituell angelegter Selbsterfahrung und ihr folgt der unmittelbare, persönliche (verbale) Austausch darüber.

Andererseits: Die Tanzimprovisation,-erfahrung, die im tanzkünstlerischen Kontext stattfindet, wird in einem offenem Raum (manchmal Bühne) mit anderen Menschen als Zuschauende (Publikum) um ihrer „AusdrucksWillen kreiert. Ihr folgt kein persönlich angelegter Austausch der Beteiligten.

In beiden Situationen nährt das VerbundenSein des Tänzers/Bewegers mit dem ganz eigenem inneren Fühlraum und das in dem Moment entstehende, verkörperte (also in Bewegungs seiende) Handlungsforschen über diesen Zugang, den Tanz.

Aber bzw. und:

Beide Situationen beinhalten offene, investigative, erfahrungsgeleitete Prozesse, die sich in/durch Bewegung zeigen. Diese Vorgänge sind ziel-und vorstellungsfrei. In beiden Situationen bringt das hochkomplexe Gefüge von Empfindungen, Emotionen, seelisch-geistiger Zustand, Gedanken, innere und äußere Impulse, also MenschSein, den Menschen in Bewegung. Er ist Träger, Material und Auslöser gleichermaßen und gleichzeitig.

 

Die Faszination über diesen Reichtum und die langjährigen Erfahrungen mit der discipline of authentic movement und der Tanzimprovisation, sind Motivation und wirkender Ausgangspunkt für dieses ergebnisoffene Projekt.

Lediglich eine Aufteilung in zwei Phasen ist ersteinmal angedacht, um einerseits eine Art Grundstruktur für die geplante Zeit (zwischen 3 und 6 Monaten) zu haben und anderesseits den Wunsch nach der Entwicklung innovativer Begegnungsformate entgegenzukommen.

 

In der ersten Phase von AMPLE, die ausschließlich im Studio und nur mit am Forschungsvorhaben beteiligten Künstlern stattfindet, wird es darum gehen, zu Abläufen aus der discipline of authentic movement andere, kreative Methoden ein klein wenig hinzuzufügen und es, eventuell mit der Zeit zu einer größeren Durchmischung kommen zu lassen.

Folgende Fragen sind hier von zentraler Bedeutung:

 

  • Wird/wirkt Bewegungsausdruck weniger authentisch und weniger verbunden mit der inneren Empfinden, wenn mit geöffneten Augen gearbeitet wird?

  • Und wie ist das messbar?

  • Wie wirkt unterschiedliches Schauen/ Bezeugen von Bewegung, auf den Beweger?

  • Wie versprachlicht man die unterschiedlichen Haltungen des Schauens und wie kann man diese evtl. vermitteln?

  • Welche Rolle spielt das reflektierende BewussSein in den verschiedenen Ansätzen/Methoden?

  • Wie kann die Bezeugerin, das Gesehene non-verbal an die Bewegerin zurückspiegeln/ zurückgeben/ (Ver-)antworten?

  • Was ist Präsenz?

  • Welche Arten/Ausrichtungen von Präsenz gibt es? Und kann Zuschauende sie spüren Und wie versprachlicht man sie?

  • Was ist Focus?

  • Ist absichtslos sein auch absichtslos tun?

  • .

In der zweiten Phase, die im Studio und im Theaterraum mit anderen, nicht am Forschungsvorhaben beteiligten Menschen, stattfindet, wird es darum gehen, die Erfahrungen der vorangegangenen Phase in einen größeren Kontext zu setzen. Hier sind andere Fragen von zentraler Bedeutung:

 

  • Wie kann man -im Detail- das Spannungsfeld zwischen der Haltung von „Ich treffe gestalterische Entscheidungen in meiner Bewegungserfahrung/Tanz“ und der Loyalität authentischen Impulsen gegenüber erforschen und versprachlichen?

  • Wie wirkt der sozial definierte Raum (Stätte), in der Bewegung geteilt/gezeigt wird?

  • Sind diese Ansätze (AM und Impro) überhaupt unterschiedlich oder „nur“ die Behältnisse (also das Raum_Zeit_Sozial_Gefüge), in denen sie stattfinden? Oder nur ihr Ausgangsanliegen?

  • Können tanzkünstlerische Erfahrungen/ Erkenntnisse, die in einem geschützen, also unbewerteten Rahmen entstanden sind, übertragen werden in einen ästhetisch-ausgerichteten Rahmen/Kontext/Raum, also Theater?

  • Wie können klar umrandete Übungs- und Erforschungsformate dafür entwickelt und weitervermittelt werden?

  • Was heißt authentisch? Gibt es eine authentische Performancesprache?

  • Wo sind die „Ränder“ der Identitäten von „Performer und Selbstausdrückler“?